Manager sind wieder ehrgeiziger | Ein Kommentar zum Manager-Barometer 2019-2020

19 Nov 2019

Manager sind wieder ehrgeiziger | Ein Kommentar zum Manager-Barometer 2019-2020

Auch in diesem Jahr konnten wir einige erstaunliche Veränderungen und Entwicklungen in unserer Befragung entdecken.

Manager sind wieder ehrgeiziger. Sie sind von ihrem weiteren Potenzial überzeugt, dass zeigt ihr stark angestiegener Wille zur Karriere. Mehr als 60 Prozent aller Führungskräfte wollen das Maximum in ihrer Karriere erreichen – und dies gilt auch für die viel gescholtene Generation Y!

Allerdings wird deutlich, dass sich das Verständnis von Karriere deutlich verschiebt von einem rein aufstiegsorientierten Berufsweg hin zu einer stärker inhaltlichen Perspektive. So setzen zwei Drittel der Manager das Karrieremaximum gleich mit der Annahme von kontinuierlich neuen, inhaltlichen Herausforderungen. Frauen sind dabei stärker inhaltsgetrieben als Männer. Sie sind außerdem auch ehrgeiziger als ihre männlichen Kollegen. Dieses Ergebnis widerspricht – Gott sei Dank! – der immer noch sehr verbreiteten Annahme, dass Frauen nicht karriereorientiert oder willens genug seien, um in eine Top-Führungsposition zu gelangen. Im Gegenteil: Wir beobachten, dass die Förderung von Frauen, in welche die Unternehmen seit vielen Jahren investieren, nun langsam Früchte trägt!

Manager sind offen für neue Karrierewege

Zunehmendes Selbstbewusstsein der Manager und ein hoher Gestaltungswille bei der eigenen Karriere haben sich auch in diesem Jahr bestätigt. So sind die Mitwirkung an Veränderungen und die Tätigkeit in einem innovativen Unternehmen mit 57 Prozent erneut Top-Motivatoren unter den Führungskräften. Auch die Flexibilität der Manager in Bezug auf Branche und Inhalte ihrer Tätigkeit ist seit Jahren extrem hoch: So sind fast 90 Prozent dazu bereit, für ihren nächsten Karriereschritt die Branche zu wechseln, zwei Drittel der Manager würden auch die Fachrichtung wechseln.

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Erfahren, wie ManagerInnen ticken

Was bedeutet Karriere für ManagerInnen? Was motivieret Sie? Unter welchen Bedingungen würden Sie ihre Position wechseln? Alle Antworten finden Sie im Manager-Barometer 2019/2020.

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Diese Offenheit trifft auf der Arbeitgeberseite allerdings nur bedingt auf Gegenliebe. Gerade auf den höheren Führungsebenen entscheiden sich die Unternehmen oft lieber für Kandidaten aus der Branche. Dabei sind in disruptiven Zeiten wie diesen neue Impulse von außen dringend notwendig. Die Arbeitgeber sollten hier eine größere Offenheit haben und sich sowohl in der Rekrutierung von Quereinsteigern als auch hinsichtlich ihrer Incentivierung flexibler und kreativer aufstellen. Dies setzt auch den Mut in die Entwicklung von Potenzialträgern voraus.

Die Mehrheit der Manager ist wieder Führungskraft aus Überzeugung

Und noch eine gute Nachricht: Nach einem deutlichen Rückgang im Vorjahr gehört die Freude an der Führungsaufgabe wieder zu den Top-3-Motivatoren für den weiteren Berufsweg. Zudem geben zwei Drittel der Führungskräfte an, dass sich ihre Einstellung zu ihrer Rolle als Manager im Laufe ihrer Berufstätigkeit zum Positiven gewandelt hat. Dieses Ergebnis widerlegt klar den Anschein der Führungsmüdigkeit aus den Befragungsergebnissen der Vorjahre. Wenn Führungskräfte gern Verantwortung übernehmen und Einfluss nehmen möchten sowie Freude daran haben, ihre Mitarbeiter zu fördern und zu entwickeln, dann kann einem um die Zukunft des deutschsprachigen Managements nicht bange sein. In disruptiven Zeiten, in denen nicht nur „Millennials“, sondern auch große Teile der Gesellschaft nach Vorbildern suchen, sind Persönlichkeiten, die motivieren und Orientierung geben können, unverzichtbar

Manager braucht ein innovations­freudiges und zukunftsfähiges Unternehmen

Nicht zu übersehen sind die stark zunehmenden Zweifel der Manager an der Innovations- und Zukunftsfähigkeit ihrer Arbeitgeber. Diese sind einer der Hauptgründe für die erneut hohe Wechselbereitschaft der Manager. Angesichts des anhaltenden Kandidatenmarktes sollte dies ein Weckruf für Unternehmen sein: Sie müssen sich viel stärker als bisher bewusst machen, dass es Führungskräften wichtig ist, wie ihr Arbeitgeber strategisch aufgestellt und für die Zukunft gerüstet ist, wollen sie auch in Zukunft die besten Köpfe gewinnen und vor allem halten. Gerade wenn in Zeiten mit wirtschaftlich unsicheren Perspektiven die Investitionen in Innovationen auf dem Prüfstand stehen, müssen Unternehmen hier sowohl an ihre Wettbewerbsfähigkeit als auch an ihre Talentattraktivität denken!

Manager-Barometer 2019/2020 | Odgers Berndtson

Manager stehen künstlicher Intelligenz positiv gegenüber!

Zur Attraktivität eines Arbeitgebers gehört heute mehr denn je auch eine innovationsorientierte Unternehmenskultur und eine überzeugende Strategie für die Anwendung von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz (KI). Die Manager halten ihre Arbeitgeber hier noch nicht für optimal gerüstet, zeigen die Ergebnisse zu unserem diesjährigen Schwerpunktthema. Handlungsbedarf sehen sie dabei weniger im strategisch-organisatorischen Bereich als vielmehr bei der Weiterbildung der Mitarbeiter, dem ethischen Umgang mit Daten und der Risikovorsorge. Gleichwohl steht die große Mehrheit der Manager KI aufgeschlossen gegenüber. Sie sehen deutlich mehr Chancen durch die Nutzung von KI als Risiken. Die Sorge um den Verlust von Arbeitsplätzen oder gar der eigenen Führungsposition teilen sie ebenfalls nicht. Diese breite Zustimmung ist für die Unternehmen erfreulich, denn für die erfolgreiche Einführung und Anwendung von KI sind offene, motivierte Führungskräfte essenziell.

Interesse, Wissen und Anwendungskompetenzen hinsichtlich KI sind wesentliche Voraussetzungen, aber erst die tatsächliche, regelmäßige Anwendung führt zu erkennbaren positiven Auswirkungen. Und auch die Führung profitiert: Die Nutzung von KI trägt für die Manager messbar zu einer individuell erfolgreicheren Führungstätigkeit und übergreifend zu einem größeren Unternehmenserfolg bei (Superleadership).

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Zur Methodik des Manager-Barometers

Odgers Berndtson befragt jährlich sein Executive Panel, das Führungskräfte von Unternehmen aller Branchen und Größenklassen in Deutschland, Österreich und der Schweiz beinhaltet. Ziel der jährlichen Befragung, die Odgers Berndtson bereits zum 9. Mal online und anonym durchgeführt hat, ist es, zu ermitteln, was Führungskräfte bewegt, was sie für ihren weiteren Berufsweg motiviert, wozu sie bereit sind und wozu nicht.

Die Befragung, die zu den umfassendsten Führungskräfteerhebungen im deutschsprachigen Raum gehört, liefert so wichtige Erkenntnisse zur Einstellung und Motivationslage im deutschsprachigen Management. Am Manager-Barometer 2019/2020 haben wieder rund 2.400 ManagerInnen teilgenommen.