KI, Bots und was wirklich im Recruiting funktioniert

14 Nov 2019

KI, Bots und was wirklich im Recruiting funktioniert

Braucht es den Menschen bald nicht mehr? Wird alles automatisiert? Welche technischen Neuerung im Recruiting aktuell benutzt werden, erklärt Marcus K. Reif

Es gibt niemanden, der nicht von ihr spricht: Die Digitalisierung. Sie verändert unser Leben in allen Bereichen. Und so spielt sie auch in der Personalgewinnung eine Rolle. In diesem Blogbeitrag betrachten wir, wie und welche neuen Technologien den Recruiter bzw. die Recruiterin im täglichen Joballtag beeinflussen.

 

KI und Bots?

Häufig wird über Bots und künstliche Intelligenz gesprochen. Eine von vielen Ideen ist es, die eine perfekte Kandidatin bzw. den einen perfekten Kandidaten über einen smarten Algorithmus finden zu lassen. Die Wirklichkeit sieht im Moment jedoch etwas anders aus.

Das Einzige, was wir im Moment haben, sind Automatisierungselemente in einem Bewerbungsschritt. Tatsächlich existieren zurzeit noch keine Angebote mit künstlicher Intelligenz, also Systeme, die eigenständig auf Basis von Empirie lernen und die Programmierung daraufhin anpassen. Hier stehen wir erst am Anfang.

Chat Bots wiederum helfen beim Terminieren von Gesprächen und sie können Fragen beantworten. Nämlich jene, die besonders häufig bei BewerberInnen auftreten und zu erwarten sind.

Was Bots aber fehlt ist Empathie und ein Sinn für Humor.

Ihnen mangelt es auch an der Fähigkeit, die menschliche Sprache mit all ihren Nuancen richtig zu deuten. Aussagen, die nicht mit einem klaren "Ja" oder "Nein" beantwortet werden, verwirren den Bot und führen zu fehlerhaften Ergebnissen.

Active Sourcing

Eine viel größere Rolle als KI und Bots spielt dagegen das automatisierte Active Sourcing. Es handelt sich dabei um eine Technologie anhand derer durch die Kombinatorik einzelner Begriffe eine Vorauswahl unter den KandidatInnen getroffen wird. Diese automatisierte Vorauswahl kann im nächsten Schritt persönlich adressiert und attrahiert werden.

Automatic Active Sourcing ist eine sehr gute Möglichkeit, um die Menge an Daten, die über Google, LinkedIn, Xing und alle anderen Netzwerke einsehbar wird, effektiv zu bearbeiten. Die Herausforderung ist es, die Masse an Informationen, die durch die Digitalisierung zugänglich ist, intelligent zu nutzen.  

Der Mensch steht im Mittelpunkt

Trotz der faszinierenden Technologien, die uns umgeben, dürfen wir jedoch eine Sache nicht vergessen: „Bei der Personalgewinnung ist es entscheidend, die Mensch-zu-Mensch-Interaktion in den Vordergrund zu stellen,“ betont Marcus K. Reif.  

Eine Person nur anhand von Ergebnissen eines Bots einzustellen, ist undenkbar. Überspitzt formuliert: Selbst wenn der Leiter eines Schnellrestaurants laut aller Auswertungen hervorragende Managementfähigkeiten hat, qualifiziert ihn das für einen Vorstandsposten in einem Konzern?

Es kommt auch immer auf die Kultur und die kulturelle Passung an. Gesucht werden nicht nur Qualifikationen, sondern ein Mensch, der in das Unternehmen passt und bleibt. Eine solche Leistung kann bisher noch keine Technologie leisten.

Rekrutieren, führen, halten in einer neuen Welt

Dieses Video ist Teil einer Serie mit dem Titel: Rekrutieren, führen, halten in einer neuen Welt. Folgen Sie Odgers Berndtson und Marcus K. Reif, um keines unserer Videos zu verpassen. Nächsten Donnerstag sprechen wir darüber, wie Sie Ihre Mitarbeiter mehr einbeziehen und Mitsprache fördern. Denn Sie können Ihre Entscheidungen positiv beeinflussen.

Marcus K. Reif

Marcus K. Reif ist seit 1997 HR-Experte, People Manager und Recruiter. Er beschäftigt sich beruflich mit moderner Personalarbeit, wozu neben der klassischen Personalrekrutierung auch Employer-Branding, Hochschulmarketing, Social-Media, Personalmarketing, Sourcing oder Talent Management gehören.

Er arbeitete u.a. bei Goldman Sachs, Kienbaum, Ernst & Young, Accenture, Frankfurter Allgemeine Zeitung, TMP Worldwide und Jobpilot. In den Videos teilt er seine Erfahrungen aus seinen beruflichen Stationen.