• Manager wollen für ihre Karriere nicht mehr umziehen
  • Bereitschaft zu pendeln ist ebenfalls stark gesunken
  • Arbeitgeber müssen mit neuen Angeboten reagieren


Die Mobilität der Führungskräfte hat in den letzten Jahren deutlich abgenommen. Nur noch gut die Hälfte der Manager ist dazu bereit, für ihren nächsten Karriereschritt den Wohnsitz zu wechseln. In den Vorjahren waren dazu noch über 60 Prozent der Manager bereit. Ebenso ist die Bereitschaft, sich räumlich von der Familie zu trennen, gesunken: 38 Prozent würden ein Pendlerdasein für den nächsten Karriereschritt auf sich nehmen, vor zwei Jahren waren es noch 45 Prozent.

Dies ist das Ergebnis des 5. Manager-Barometers der internationalen Personalberatung Odgers Berndtson, an dem 1.800 Führungskräfte in Deutschland, Österreich und der Schweiz teilgenommen haben.

Lediglich 54,6 Prozent der teilnehmenden Manager sind heute dazu bereit, für ihren nächsten beruflichen Schritt in die Nähe ihres neuen Arbeitgebers zu ziehen. Vor zwei Jahren war dies noch für rund 64 Prozent selbstverständlich. Für den Job auf das tägliche Familienleben zu verzichten und eine Fernbeziehung zu führen, kommt sogar nur noch für 38 Prozent der Manager in Frage. Ihre Bereitschaft zu pendeln lag mit rund 45 Prozent vor zwei Jahren noch deutlich höher.

"Die abnehmende Mobilität der Manager beobachten wir seit Jahren, und zwar über alle Branchen, Altersklassen und Hierarchieebenen hinweg", sagt Gabriele Stahl, Partner bei Odgers Berndtson und Leiterin der Studie. "Das Privatleben wird wichtiger - ob mit oder ohne Kinder", so die Beraterin.

Vor allem Frauen tun sich mit dem Familienleben auf Distanz schwer. Nur 31 Prozent der weiblichen Führungskräfte sind dazu bereit, eine räumliche Trennung von ihrem Lebenspartner bzw. ihrer Familie in Kauf zu nehmen. Mit nur 33 Prozent Zustimmung ebenso ablehnend reagieren jüngere Manager auf Aufstiegsofferten abseits des Wohnortes. Die Bereitschaft zu pendeln steigt jedoch mit zunehmendem Alter: Immerhin 51 Prozent der vor 1965 geborenen Babyboomer würde für den nächsten Karriereschritt eine Fernbeziehung führen.

"Manager zwischen 30 und 40 Jahren, bei denen beide Partner berufstätig sind und die Kinderbetreuung mit hohem Aufwand organisiert ist, sind verständlicherweise immobil", kommentiert Gabriele Stahl und warnt: "Die Arbeitgeber müssen flexibler darauf reagieren, sonst gehen ihnen über kurz oder lang die Talente aus."

Flexibilisierungsangebote von Unternehmen, die sich bereits mit der Problematik befassen, beinhalten neben Home Offices und der Möglichkeit, in virtuellen Teams zu arbeiten, beispielsweise auch die Eröffnung neuer Büros oder eine Verlagerung des Unternehmenssitzes, etwa von der Großstadt in die Provinz bzw. umgekehrt. Einige Konzerne sind sogar dazu übergegangen, auch dem Lebenspartner eines Kandidaten, den sie unbedingt engagieren wollen, ein attraktives Jobangebot zu unterbreiten. Entscheidend sind diese Angebote vor allem bei Managern aus der TMT-­Branche, welche im Branchenvergleich am wenigsten mobil sind. Banker und Manager aus der Automobilbranche ziehen dagegen am ehesten um.

Studie: 

Manager-­Barometer 2015/2016

 

Zur Methodik des Manager-­Barometers:

Odgers Berndtson befragt jährlich ihr Executive Panel, das Führungskräfte von Unternehmen aller Branchen und Größenklassen in Deutschland, Österreich und der Schweiz beinhaltet. Ziel der jährlichen Befragung, die Odgers Berndtson bereits zum 5. Mal durchgeführt hat, ist es, zu ermitteln, was Führungskräfte bewegt, was sie für ihren weiteren Berufsweg motiviert, wozu sie bereit sind und wozu nicht. Die Befragung, die zu den umfassendsten Führungskräfteerhebungen im Raum D-‐A-­CH gehört, liefert so wichtige Erkenntnisse zur Einstellung und Motivationslage im deutschsprachigen Management. Am diesjährigen Manager-­Barometer haben 1.757 Manager teilgenommen. Die Befragung wurde online und anonym durchgeführt.

 

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