Ergebnisse Manager-Barometer-Sonderbefragung „Corona“

22 Jun 2020

Ergebnisse Manager-Barometer-Sonderbefragung „Corona“

Erfahrungen, Einstellungen und Gefühle von Führungskräften im Umgang mit der neuen – Coronakrise bedingten – Arbeitswelt

Die Corona-Pandemie hat für viele Unternehmen eine wirtschaftliche Unsicherheit erheblichen Ausmaßes zur Folge. Auch die Auswirkungen auf Führung und Organisation waren weder vorhersehbar, noch waren die meisten Unternehmen auf die Anforderungen der mobilen Arbeitswelt ausreichend vorbereitet. Durch Kontaktbeschränkungen wurden Unternehmen weltweit gezwungen, sehr plötzlich und flächendeckend die Arbeitsplätze ihrer Mitarbeiter aus den Büros in die Homeoffices zu verlagern.

“Führung auf Distanz” stellt Führungskräfte wie Mitarbeiter vor ganz neue Herausforderungen. Vor diesem Hintergrund war es das Ziel der vorliegenden Sonderbefragung des Odgers Berndtson Führungskräfte-Panels, den Umgang mit der Krise und die Reaktion der Unternehmen, der Manager und deren Mitarbeitern zu ermitteln. Außerdem haben uns die Erfahrungen, Einstellungen und Gefühle im Umgang mit den Gegebenheiten der neuen, mobileren Arbeitswelt interessiert. Insgesamt nahmen 1.480 Führungskräfte an der Befragung im Mai 2020 teil.

Im Vordergrund der Befragung standen die Eindrücke aus dem Lockdown bis hin zur sukzessiven Lockerung der Kontaktbeschränkungen Mitte Mai 2020. Dennoch sind sich die Manager bewusst, dass diese Krise auch längerfristig deutliche Spuren hinterlassen wird.

Die Arbeit aus dem Homeoffice hat als Folge der Coronakrise rasant zugenommen.

Unter den weitgehenden Ausgangsbeschränkungen wurde Arbeit - wo immer möglich - in die Homeoffices verlagert. Für die Zeit nach der Coronakrise erwarten Führungskräfte, dass sie selbst bzw. ihre Teams etwa doppelt so häufig aus dem Homeoffice arbeiten werden (im Durchschnitt 1,5 Tage pro Woche) wie vor der Krise.

Unternehmen haben mit hoher Flexibilität auf die Coronakrise reagiert.

Insgesamt positiv beurteilen Manager die Reaktion ihrer Unternehmen auf die Herausforderungen der Krise. 6 von 10 Managern geben an, dass Führungskräfte und Mitarbeiter bestmöglich unterstützt wurden, weitere 3 von 10 Managern bejahen dies mit Einschränkungen. Auch wenn eine Vielzahl von Unternehmen nicht oder nicht optimal auf das Krisenszenario vorbereitet war, so konnten die meisten doch dementsprechend flexibel reagieren.

Virtuelle Meetings, Konferenzen und Workshops wurden in fast allen Unternehmen genutzt.

Im Fokus stand hierbei die Aufrechterhaltung der Kommunikation innerhalb der Teams. Weniger genutzt wurden hingegen virtuelle Tools zur Stärkung des Teamzusammenhalts und der informellen Kommunikation oder zur Abbildung von Teamprozessen, wie zum Beispiel die Teamkreativität.

Die Krise hat auf emotionaler Ebene Spuren hinterlassen, aber sie macht auch resilienter.

Im Vordergrund steht die Sorge um Familie, Freunde und Bekannte, die Sorge um die eigene Gesundheit ist demgegenüber eher gering. Eine Vielzahl von Führungskräften sieht sich aber auch resilienter gegenüber neuen Herausforderungen. So verspüren über 40 Prozent eine höhere Motivation, unternehmerische Chancen zu ergreifen und empfinden einen verstärkten Glauben an die eigenen Fähigkeiten.

Die Aufrechterhaltung der informellen Kommunikation ist die größte Herausforderung bei der Führung im Homeoffice.

Während das Abarbeiten von Projekten oder die Delegation von Aufgaben sich noch relativ gut im Homeoffice realisieren lassen, bleibt das Gespräch auf dem Flur oder an der Kaffeemaschine naturgemäß auf der Strecke. Auch die (formale) Kommunikation innerhalb des Teams, die Motivation der Mitarbeiter, die Verfügbarkeit eines „störungsfreien“ Arbeitsplatzes sowie der Zusammenhalt im Team stellen eine größere Herausforderung in Sachen Führung gegenüber dem Präsenzalltag im Büro dar.

Frauen arrangieren sich mit der Arbeit aus dem Homeoffice

Zur besseren Integration der Familienbedürfnisse kommt Frauen das flexible Arbeitsplatzmodell des „Homeoffice“ entgegen. Entsprechend kommen sie gut damit zurecht, tun sich leichter und gestalten die Herausforderungen des „Führens auf Distanz“. Weibliche Manager sehen sich deutlich effizienter im Homeoffice als ihre männlichen Kollegen – sofern sie einen störungsfreien Arbeitsplatz zur Verfügung haben.

Etwa die Hälfte aller Manager sehen sich effizienter im Homeoffice als im Büro, bei der anderen Hälfte der Manager ist dies allerdings genau umgekehrt.

Die stärksten Vorbehalte haben Führungskräfte bezüglich der Produktivität und der Zufriedenheit der Mitarbeiter im Homeoffice.

Die Verlagerung der Mitarbeiter in die Homeoffices wird nicht nur positiv bzw. gleichwertig gegenüber der Präsenz im Büro gesehen. Während 6 von 10 Managern angeben, dass ihre Mitarbeiter sehr flexibel auf die Herausforderungen reagiert haben, sagen dies nur etwa 3 von 10 Managern, unabhängig von der Produktivität und der Zufriedenheit ihrer Teams.

Manager mit Kindern haben meist schwierigere Arbeitsbedingungen im Homeoffice als kinderlose Manager.

Auch die jüngeren Manager der Generation Y tun sich mit der Arbeit im Homeoffice deutlich schwerer als ihre älteren Kollegen. Obwohl die technikaffinen jüngeren Manager mit den digitalen Herausforderungen des Homeoffices besser vertraut sein dürften, kommen sie deutlich schlechter damit zurecht als ihre älteren Kollegen. Sie haben seltener einen angemessenen Arbeitsplatz zu Hause. Ursache hierfür dürfte sein, dass sie noch  weniger Wohnraum zur Verfügung haben sowie meist noch junge Familien mit kleinen Kindern. Zudem sind jüngere Manager mit meist noch jungen Kindern besonders vom Wegfall der Betreuungsstrukturen betroffen.

Kinderlose Manager haben deutlich häufiger einen angemessenen Arbeitsplatz zu Hause und arbeiten effizienter im Homeoffice als Manager mit mehreren Kindern im Haushalt.

Die Corona-Krise wird weitreichende Auswirkungen auf die Arbeitswelt der Zukunft haben.

Die Akzeptanz von Homeoffice-Regelungen wird nach Einschätzung der Manager deutlich steigen. Die Manager halten zudem eine stärkere Nutzung von Videokonferenzen statt Geschäftsreisen, eine stärkere Dynamik von Digitalisierungsprojekten, die Beschleunigung von Change- und Innovationsprozessen und Restrukturierungen für sehr wahrscheinlich. Eine Vielzahl von Managern erwartet auch, dass die Coronakrise die Maßnahmen zur Nachhaltigkeit verstärken wird. Gleiches gilt für die Verkleinerung von Büroflächen.

Corona.jpg

Manager-Barometer Sonderbefragung „Corona“

“Führung auf Distanz” stellt Führungskräfte wie Mitarbeiter vor ganz neue Herausforderungen. Vor diesem Hintergrund war es das Ziel der vorliegenden Sonderbefragung des Odgers Berndtson Führungskräfte-Panels, den Umgang mit der Krise und die Reaktion der Unternehmen, der Manager und deren Mitarbeiter zu ermitteln.

Jetzt lesen