Wir brauchen Perspektivenvielfalt im Sport-Business

16 Dez 2019

Wir brauchen Perspektivenvielfalt im Sport-Business

Interview mit Christian Seifert, Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Fußball Liga (DFL).

Besonders im Sport-Business sind Führungspositionen selten mit Frauen besetzt. Dies bestätigt auch die aktuelle Studie „Equal Play – Frauenkarrieren in der Sportbranche“ (Link setzen), die Ewald Manz, Partner und Leiter der Sports-Practice bei Odgers Berndtson, in Kooperation mit der Agentur Jung von Matt/Sports durchgeführt hat. Mit Christian Seifert, Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Fußball Liga, spricht er über den Mehrwert von Diversität und wie sich der Anteil von Frauen in Führungspositionen im Sport erhöhen lässt.

Ewald Manz Interview mit Christian Seifert | Odgers Berndtson
Christian Seifert (DFL) Interview | Odgers Berndtson

Ewald Manz: Herr Seifert, die DFL setzt sich für mehr Diversität unter ihren Mitarbeitern ein. Welchen Mehrwert versprechen Sie sich speziell von mehr Frauen in Ihrer Branche?

Christian Seifert: Ich glaube weniger an spezielle weibliche oder männliche Sichtweisen, sondern an individuelle.

Jeder Mensch hat viele Facetten und ist nicht nur Frau oder Mann.

Es geht für Unternehmen im Sport vielmehr um eine Ausgewogenheit und bessere Balance im Management, um eine Bereicherung durch Vielfalt und andere Sichtweisen. Bei der unserer Tochtergesellschaft DFL Digital Sports beispielsweise beschäftigen wir 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus 16 Nationen. Durch diese kulturelle Vielfalt fördern wir aktiv unterschiedliche Perspektiven. Ich bin davon überzeugt, dass diese Perspektivenvielfalt das ist, was das Sport-Business in Zukunft braucht.

Ewald Manz: Wie hoch ist der Frauenanteil in der DFL?

Christian Seifert: Von den 350 Mitarbeitern in der DFL-Gruppe sind 32 Prozent weiblich. In der Bundesliga-Stiftung arbeiten rund 50 Prozent Frauen, in der Liga Travel sogar 70 Prozent. Auf der Ebene der Führungskräfte ist der Frauenanteil zugegebenermaßen geringer: In der Geschäftsleitung der DFL gibt es bisher keine Frau, auf der Ebene darunter liegt der Frauenanteil bei 27 Prozent. Bei Liga Travel ist die Geschäftsführung weiblich.

Ewald Manz: Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass die Zahl der Frauen in Führungspositionen bei Ihnen und in anderen Unternehmen im Sport so gering ist?

Christian Seifert: Ich bin definitiv ein Befürworter von mehr Frauen in Führungspositionen im Sport-Business. Dafür müssen die Frauen zuallererst aber auch dorthin wollen. Eine meiner ersten Fragen ist immer: Wie viele Bewerberinnen sind dabei? Wenn die DFL Führungspositionen ausschreibt, liegt der Bewerberinnenanteil im besten Fall im kleinen einstelligen Prozentbereich. Der Anteil von Frauen steigt, wenn es um Positionen in Bereichen wie HR, Event-Management, Marketing und Kommunikation geht.

Wir sind zwar eine kleine Firma, sind aber in Geschäftsfeldern wie Technologie und Daten in den letzten Jahren stark gewachsen. Da haben wir hochattraktive Jobs zu vergeben.

Ich ermutige daher ausdrücklich Quereinsteigerinnen dazu, sich eine Führungsposition bei uns zuzutrauen.

Man muss kein Experte auf dem Platz sein, um erfolgreich im Fußball-Business zu sein.

Ewald Manz: Würde eine Quotenregelung helfen?

Christian Seifert: Ich glaube nicht, dass Quoten für Frauen wirklich hilfreich sind. Für die DFL kann ich sagen, dass wir keine Quote brauchen. Wir behandeln weibliche und männliche Bewerberinnen und Bewerber gleichberechtigt und suchen Führungskräfte, die uns weiterbringen, unabhängig vom Geschlecht. Eine Bewerberin oder ein Bewerber bekommt dann den Job, wenn sie bzw. er geeignet dafür ist. Meine Erfahrung ist außerdem, dass Frauen, die ihren Weg gehen, auch meist keine Quoten wollen. Sie sind gut aus sich heraus und erreichen ihre Ziele. Natürlich müssen Unternehmen die eine oder andere Brücke bauen. Aber das muss man auch bei Männern.

Ewald Manz: Welchen Herausforderungen müssen sich Frauen speziell im Fußball-Business stellen?

Christian Seifert: Das hängt vom Unternehmen bzw. vom Club ab. Eine Liga-Organisation wie die DFL oder ein Verband haben andere Herausforderungen als ein Club, bei dem man auch oft am Wochenende im Einsatz ist. Meiner Erfahrung nach unterscheidet sich das nicht wesentlich nach Mann und Frau. Diese Arbeitszeiten sind so oder so vor allem für junge Familien eine Belastung.

Hinzu kommt, dass die DFL und die Clubs zwar ein attraktives Arbeitsumfeld bieten, aber nicht mit den Arbeitsbedingungen großer Konzerne mithalten können. Wir arbeiten daran, die Arbeitszeit zu flexibilisieren, flexiblere Ausgestaltung wie Home Office oder Sabbatical anzubieten, können das aber aufgrund der kleineren Mitarbeiterzahl nur bedingt.

Ewald Manz: Was genau tun sie, um Diversität in Ihrem Unternehmen zu fördern?

Christian Seifert: Wir haben ein Entwicklungsprogramm, in dem wir Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mittel- und langfristig an Führungspositionen heranführen. Da machen wir keinen Unterschied zwischen Männer und Frauen.

Ewald Manz: Können Sie sich eine Frau als Vorstand eines Clubs der Bundesliga oder 2. Bundesliga vorstellen?

Christian Seifert: Selbstverständlich, zum Beispiel in den Bereichen Vermarktung, Finanzen, Organisation. Im Männerfußball wird es historisch bedingt noch dauern, bis die Position des Sportvorstands mit einer Frau besetzt wird. Aber das ist nur eine Frage der Zeit.

Ewald Manz: Herr Seifert, wir bedanken uns für das Gespräch!