Wie wir in kleinen Momenten die Basis für Erfolge legen können

30 Mrz 2020

Wie wir in kleinen Momenten die Basis für Erfolge legen können

9 Punkte von Holger Hansen, Geschäftsführer Jung von Matt/SPORTS, die für jede Führungskraft für den Aufbau und die Pflege einer guten und vertrauensvollen Beziehung essentiell sind.

Holger Hansen, Geschäftsführr Jung von Matt/sports

Für das Jahr 2020 habe ich mir vorgenommen, zwei Bücher pro Monat zu lesen oder zu hören. Dabei geht es mir nicht darum, möglichst viel Belletristik in mich aufzusaugen. Vielmehr möchte ich lernen, aus Sachbüchern, von Autoren wie Ray Dalio, Warren Buffett, Malcolm Gladwell, oder Ed Catmull. Bei der Recherche nach den besten Büchern für meinen Plan „24in2020“ begegnete mir zum wiederholten Male ein Zitat von Catmull, das in der heutigen Zeit, nicht nur aus einer politischen Perspektive, von einer gewissen Bedeutsamkeit ist.

“Fear can be created quickly; trust can’t”
Ed Catmull

Das Zitat hat mich einige Tage beschäftigt und ich glaube, dass die Stärke nicht in der offensichtlichen Einfachheit der Angst liegt, sondern vielmehr in der Kraft der Bedeutung des Vertrauens. Menschliche Beziehungen funktionieren nur, wenn sie auf Vertrauen beruhen. Vertrauen aufzubauen dauert lange, bedarf eines persönliches Invests und einiger Mühe. Das gilt im Privaten ebenso wie im öffentlichen Leben, in der Arbeitswelt wie im Sport. Als Regisseur vertraue ich in das Können meiner Schauspieler, als Torwart in die Zweikampfstärke meiner Verteidiger. Als Führungskraft vertraue ich meinen Mitarbeitern, als Arbeitnehmer meinen Kollegen – und meinen Vorgesetzten.

Vertrauen ist das Bindemittel menschlicher Beziehungen. Und das Fundament
für Erfolge.

Umgekehrt gilt aber auch: fehlendes Vertrauen verhindert gute Beziehungen, und damit auch unsere Erfolge – als Freundin oder Freund, Sportler, Unternehmer, Trainer oder Chef.

Wie nun können Führungskräfte im Arbeitsalltag Beziehungen fördern und ein vertrauensvolles Umfeld schaffen? Hier sind 9 Punkte, die für jede Führungskraft für den Aufbau und die Pflege einer guten und vertrauensvollen Beziehung essentiell sind.

Höre zu

Zuhören können ist der halbe Erfolg. Deshalb gilt die Formel: open door + open ear = trust.. Sei immer aufgeschlossen für Gespräche. Habe stets eine offene Türe. Das ist nicht einfach, natürlich. Weil es bisweilen auch bedeutet, dass man eigene Themen aufschieben muss. Aber, und das ist viel wichtiger, es bedeutet vor allem, dass jede(r) jederzeit Sorgen, Fragen und Anliegen teilen kann. Das gibt nicht nur ein gutes Gefühl, sondern gibt Einblicke in die emotionale Gemengelage, offenbart Hintergründe für aktuelle Entwicklungen und zeigt mögliche Chancen und Herausforderungen.

Sei kommunikativ

Ohne Kommunikation ist alles nichts.

Kommunikation ist Grundlage und Schlüssel für erfolgreiche Führung. Ein erfolgreicher Kommunikator zu sein ist mehr als nur eine klare Botschaft zu vermitteln. Es bedeutet gut zuzuhören, Fragen zu stellen und auf nonverbale Zeichen zu achten. Eine offene Gesprächskultur zwischen Führungskraft und Mitarbeiter schafft Bindung, Loyalität, Respekt und Vertrauen – und gibt dem Mitarbeiter das Gefühl, ein wichtiger Teil des großen Ganzen zu sein.

Zeige Herz

Führung ist Herzenssache. Ich glaube: Menschen ohne Herz und Empathie können kein Vertrauen aufbauen. Das gilt natürlich auch für Chefs ohne Herz. Zeige deinen Mitarbeitern, dass du dich für sie interessierst. Sei präsent, höre zu und kenne ihre Interessen. Ich habe in meiner Laufbahn viele Chefs gehabt. Die, die wirklich langfristig erfolgreich waren (und immer noch sind), waren die empathischen, offenen, interessierten, zugänglichen und wertschätzenden.

Gib Props

Ehre, wem Ehre gebührt. Ich glaube daran, dass Führungskräfte häufiger aus dem Rampenlicht treten sollten. Gebt dem Team die Bühne, die es verdient. Neben einer großen Portion Wertschätzung für das Kollektiv zeigt das ein vertrauensvolles Miteinander im Umgang mit Erfolgen und Respekt für die Leistung des Einzelnen.

Halte Wort

Der einfachste und wirkungsvollste Weg Vertrauen aufzubauen ist der, sein Wort zu halten.

Wenn du sagst, dass du abends noch eine Präsentation liest, dann lies sie. Wenn du zusicherst, dass du dich um die Beantwortung einer Anfrage kümmerst, dann antworte. Und wenn du ankündigst, du willst für einen Marathon trainieren, dann laufe. Brichst du dein Wort: es wird dir ewig nachgetragen. Halte dein Wort und man wird dir vertrauen.

Sei Vorbild

Vorbild sein? Klingt einfach. Aber nur wenige Führungskräfte schaffen das konsequent. Wer erfolgreich sein will, der muss den Worten Taten folgen lassen. Vertrauen baut auf, wer auf seine Schritte achtet, stringent handelt und seinen Kritikern zu keiner Zeit Angriffsfläche für argumentative Widersprüche liefert.

Teile Wissen

Kompetent und inhaltlich sattelfest zu sein schafft Vertrauen. Es zeigt: man weiß, wovon man spricht. Mitarbeiter sind wesentlich zufriedener und glücklicher, wenn sie von Menschen geführt werden, die sich nach oben gearbeitet haben – mit einem großen Wissen über das, was ihr Geschäft ausmacht. Wissen sie einmal, dass der Chef Bescheid weiß, fühlen sie sich wesentlich wohler Fragen zu stellen, Entscheidungen zu akzeptieren, Feedback und Kritik zu bekommen.

Reflektiere dich

Wer führen will, muss sich selbst reflektieren. Dazu braucht es Offenheit für das Erkennen der eigenen Schwächen und Fehlentscheidungen sowie Leute, die sich trauen, uns zu sagen, wie sie uns wahrnehmen. Wer es schafft, den Mut zum Schmerz der Selbsterkenntnis aufzubringen, wer auch die Offenheit für ungeschönte Kritik von außen zulässt, der sticht als Führungskraft heraus aus einer Masse an unreflektierten und kritikresistenten Chefs. Das zeigt Stärke, schafft Vertrauen und gibt Raum für die persönliche Weiterentwicklung.

Schenke Vertrauen

Vertrauen ist keine Einbahnstraße. Damit Vertrauen auch am Arbeitsplatz gelebt werden kann, muss es erwidert werden. Zeige, dass du Vertrauen in die Fähigkeiten, das Urteilsvermögen und die Entscheidungen deiner Mitarbeiter hast und dir wird umgekehrt Vertrauen geschenkt.

Fazit

Vertrauen entsteht nicht von jetzt auf gleich und es geht nicht automatisch einher mit Beförderungen, freien Freitagen oder Firmenhandys für alle.

Vertrauen muss wachsen und basiert auf zwischenmenschlichen Fähigkeiten, auf funktionierenden Beziehungen, die wir größtenteils nicht erzwingen können.

Wenn Vertrauen schwindet oder ganz abhandenkommt, gehen auch Zufriedenheit und Begeisterung verloren – und ohne das, leidet jeder Job. Wer es schafft, ein ehrliches, offenes, und kooperatives Umfeld zu schaffen, in dem Menschen an gemeinschaftlichen und transparenten Zielen arbeiten, der schafft eine fundierte Grundlage für Erfolge. Mein zweites Buch in 2020? Eines der Bücher, die Ed Catmull empfiehlt: Dare to Lead, von Brené Brown: “Trust is in fact earned in the smallest of moments.“ Ein Rat, der zeigt, dass Vertrauensaufbau nicht erzwungen werden kann, sondern vielmehr im
Alltäglichen, in den kleinen, wahrhaftigen Augenblicken, geschieht.

Wollen wir ein vertrauensvolles Umfeld schaffen und erhalten, das als starkes Fundament für unsere Erfolge, privat wie beruflich, dient, so müssen wir unablässig und beharrlich an unseren Beziehungen arbeiten.