Was lehrt uns der Wirtschaftsboom der Nachkriegszeit für die Führung nach der COVID-Krise?

18 Aug 2020

Was lehrt uns der Wirtschaftsboom der Nachkriegszeit für die Führung nach der COVID-Krise?

Die Geschichte bringt uns einiges bei, ihre Lehren müssen jedoch sorgfältig geprüft werden, um daraus die Art von Führung abzuleiten, die in einer Welt voller Disruption bestehen kann.

Als Henry Kissinger sagte: „Es kommt nicht oft vor, dass Nationen aus der Vergangenheit lernen, noch seltener ist es, dass sie die richtigen Schlüsse daraus ziehen“, hatte er sicherlich Recht. Aber große Krisen bieten historische Lektionen und die Chance, tatsächlich zu lernen und die Dinge in Zukunft besser zu machen.

In einem aktuellen Artikel listet McKinsey „zehn Lektionen aus der Geschichte für die neue Normalität“ auf. Um Lehren aus der Geschichte zu ziehen, befassen sie sich mit dem Wachstumsboom nach dem Zweiten Weltkrieg in den USA, Westeuropa und Japan zwischen 1945 und 1970.

Schlüssel zu einer Welt jenseits dieser Krise

Die Geschichte wiederholt sich nie ganz. Trotz der unbestreitbaren globalen Auswirkungen von COVID-19 ist dies in gewisser Weise eine ganz andere Welt als die nach dem Zweiten Weltkrieg. Zum einen ist die Globalisierung eine große Macht. 1970 machte der grenzüberschreitende Handel 9 % der Weltwirtschaft aus, 2017 waren es ganze 28 %.

Für McKinsey ist es wichtig, dass die Globalisierung reformiert und umgestaltet werden muss, um den Übergang zu Dienstleistungen, insbesondere bei der IT, und das Aufkommen des regionalen Handels zu berücksichtigen, da COVID-19 auch Auswirkungen auf die Lieferketten hat.

Zudem ist dies eine Chance, um die Effektivität des öffentlichen Sektors zu erneuern. Die Regierungen sind gezwungen Ergebnisse zu liefern. Das Leben und der Lebensunterhalt der Menschen hängen davon ab. Katja Hanns-Terrill, Managing Partner bei Odgers Berndtson Deutschland, fügt hinzu: „Eine weitere Herausforderung für die Regierungen besteht darin, die Sozialpolitik zu modernisieren, um mit Herausforderungen wie der Gig-Economy, der Zeitarbeit und dem Anstieg der Arbeitslosigkeit, der auf die weltweiten Lockdowns folgen dürfte, fertig zu werden.“

Produktivitätsherausforderungen müssen gemeistert werden

Produktivitätssteigerungen trieben den Nachkriegsboom an, aber heute ist die geringe Produktivität eine große Belastung für den Wohlstand. Das muss sich ändern. Die ‚Industry 4.0‘ sowie die Einführung von Hilfsmitteln wie KI, Robotik, Genetik und dem ‚Internet of Things' übernehmen eine Schlüsselrolle. Eine Investition in Umschulungen muss damit einhergehen – nicht nur für einige wenige, sondern für breite Teile der Erwerbstätigen.

Wie bereit sind Manager, neue produktivitätssteigernde Hilfsmittel wie KI einzusetzen?

Laut der Umfrage 2019/20 von Odgers Berndtson Deutschland – an der rund 2.400 Führungskräften aus Unternehmen verschiedenster Branchen und Größenordnungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz teilnahmen – sind die Manager definitiv bereit für digitale Technologien. Die meisten glauben jedoch nicht, dass ihr Unternehmen bereit ist, die KI vollständig in sein Geschäftsmodell zu integrieren. Tatsächlich glauben nur 23 % der Manager, dass ihr Unternehmen heute über die geeignete Infrastruktur verfügt, um die Einführung von KI zu ermöglichen.

Kristin van der Sande, Partnerin bei Odgers Berndtson, fügt hinzu: „Die Einführung neuer digitaler Technologien ist ein guter erster Schritt. Aber das eigentliche Ziel ist es, die Kultur einer Organisation so zu verändern, dass sie ständig prüft, wie sie diese Technologien nutzen kann, um besser zu arbeiten. Und es ist klar, dass die richtigen Talente zu haben und das Beste in ihnen zu fördern der Schlüssel zum Erfolg sind.“

Zuversichtliche Führungskräfte sind gefragt

„Die Unternehmen müssen in der Welt in der Zeit nach COVID-19 mehr leisten, und der CEO, der richtige, muss im Vordergrund stehen. Unternehmen und andere Organisationen, die angesichts so vieler Veränderungen und Disruption erfolgreich sind, werden ein neues Führungsmodell benötigen, das das Vertrauen der Menschen, die sie führen, weckt.", sagt Manuela Klos, Associate Partnerin bei Odgers Berndtson.

Wie unsere Odgers Berndtson-Umfrage aus der Zeit vor der Covid-Umfrage ergab, war das Vertrauen in hochrangige Wirtschaftsführer, einschließlich des überaus wichtigen CEO, nicht sehr hoch.

In Zusammenarbeit mit dem Harvard Business Review Analytic Services haben wir fast 2.000 Vorstandsmitglieder, Führungskräfte und leitende Angestellte aus allen wichtigen Märkten befragt. Darunter einige CEOs.

Die Ergebnisse bildeten die Grundlage für den allerersten Odgers Berndtson Leadership Confidence Index, der hier heruntergeladen werden kann. Der Index zeigt, dass weltweit nur 15 % der Manager tatsächlich Vertrauen in die Leistungsfähigkeit ihrer Führungskräfte haben. Einer großen Mehrheit fehlt das Vertrauen in ihre Führungskräfte, einschließlich in den CEO.

Aber was macht eine zuversichtliche Führungskraft aus? 

Die Daten der fast 2.000 Befragten verglichen selbstbewusste Unternehmen mit den übrigen, um zu verstehen, was ihnen Vertrauen in ihre Führung gibt. Daraus offenbarte sich ein potenzieller Wettbewerbsvorteil bzw. unter den gegenwärtigen Umständen die Chance, gestärkt aus der Krise hervorzugehen.

Es gibt einen bestimmten Typ von Führungskräften, der sich angesichts der Art von Disruptionen, die derzeit dazugehören, besonders hervortut.          

Wir haben festgestellt, dass es vor allem die Einstellung der Führungskräfte ist, insbesondere ihre Vision und ihre Bereitschaft zum Wandel, die die Zuversichtlichen von den weniger Zuversichtlichen unterscheidet.

Vorstände und Manager wünschen sich neugierige Führungskräfte mit echtem Mut und Visionen. Eigenschaften wie Agilität, Belastbarkeit und das strategische Denken einer Führungskraft sind am stärksten gefragt.

Die besten Führungskräfte haben ihren Wert im Jahr 2020 bereits unter Beweis gestellt und sich individuell angepasst, um nicht nur eine „neue Normalität“, sondern eine bessere zu schaffen, so wie es die Führungskräfte taten, die in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg halfen.