Wechselbereitschaft von Führungskräften hoch

Neues Manager-­Barometer von Odgers Berndtson: Mehr als 40 Prozent wollen ihre Position wechseln / Zweifel an der Zukunftsfähigkeit des Arbeitsgebers nehmen zu

Unter den Führungskräften in Deutschland, Österreich und der Schweiz herrscht Wechselstimmung. Dies zeigt das aktuelle Manager-­Barometer 2017/2018 der internationalen Personalberatung Odgers Berndtson. Mehr als 40 Prozent der rund 1.900 teilnehmenden Managerinnen und Manager halten einen Wechsel ihrer beruflichen Position in den nächsten Monaten für wahrscheinlich. Als Hauptgründe hierfür führen die Führungskräfte fehlende berufliche Perspektiven, aber auch zunehmende Zweifel an der Zukunftsfähigkeit ihres Arbeitgebers an.

Die Wechselbereitschaft der Führungskräfte im Raum D-­A-­CH ist in 2017 auf sehr hohem Niveau erneut leicht gestiegen: 40,3 Prozent wollen in den kommenden Monaten ihren Arbeitgeber wechseln. Im Vorjahr waren dies nur 39 Prozent. Als Hauptgrund nennen die Teilnehmer traditionell "fehlende berufliche Perspektiven" mit 54,6 Prozent (Vorjahr 51,6 Prozent). Alarmierend in der diesjährigen Befragung ist jedoch, dass schon auf Platz zwei -­ mit erstmals mehr als 40 Prozent (Vorjahr 37,1 Prozent) -­ "Zweifel an der Zukunftsfähigkeit des jetzigen Arbeitgebers" rangieren. "Zu wenig fordernde Arbeitsinhalte" und "mangelnde Wertschätzung" werden an dritter bzw. vierter Stelle genannt, eine zu geringe Vergütung spielt interessanterweise kaum keine Rolle für einen Wechsel.

"Die Zahlen zeigen deutlich, dass ein schlichtes 'weiter so' am Arbeitsplatz vielen Managern nicht ausreicht", kommentiert Kristin van der Sande, Partner bei Odgers Berndtson und Leiterin der aktuellen Studie, die Ergebnisse. "Manager sehen sich mit dem Thema Digitalisierung konfrontiert und viele deutsche Unternehmen hinken da einfach noch hinterher. Sie müssen sich aber darauf einstellen, dass ihre Arbeitgeberattraktivität zunehmend stark mit der Konsequenz korreliert, mit der die digitale Transformation intern umgesetzt wird", warnt die Beraterin.

Vor allem Manager aus dem Energie-­‐ und TMT-­‐Bereich sind wechselbereit

Bei Führungskräften in dem sich im Umbruch befindlichen Energiesektor ist die Wechselbereitschaft mit 51,7 Prozent am höchsten, gefolgt von der volatilen Telekommunikation/Medien/Technologie (TMT)-­ Branche, in der 47,2 Prozent der Manager einen Wechsel ihrer Position in Erwägung ziehen. Für Unternehmensberater und Wirtschaftsprüfer (27,9 Prozent) sowie für Führungskräfte aus dem öffentlichen Sektor (29,5 Prozent) kommt ein Wechsel in den nächsten Monaten am wenigsten in Frage.

Hohe Flexibilität und Einsatzbereitschaft unter den Wechselwilligen

Um den Sprung in eine attraktive, alternative Tätigkeit zu schaffen, sind Manager im Raum D-­A-­CH zu einer Reihe von Zugeständnissen bereit, wie das aktuelle Manager-­Barometer zeigt: Rund 85 Prozent würden für ihren nächsten beruflichen Schritt in eine andere Branche wechseln, 69,3 Prozent würden außerdem fachlich in eine neue Richtung gehen. 44 Prozent der Führungskräfte würden einen Rückschritt in der Hierarchieebene akzeptieren, 22,7 Prozent würden sogar Gehaltseinbußen hinnehmen.

"Leistungsträger verlassen das 'sinkende Schiff' oft zuerst, weil sie die Wahl haben und rasch neue Jobs finden", beobachtet Kristin van der Sande. "Gerade erfahrene Vertriebler, Ingenieure und Digital-­Profis sind auf dem Arbeitsmarkt seit Jahren stark gefragt. Unternehmen müssen mit einer klaren Strategie für Wachstum und Digitalisierung gegensteuern, um ihre Top-­Leute zu halten", so van der Sande.

Zur Methodik des Manager-­Barometers:
Odgers Berndtson befragt jährlich ihr Executive Panel, das mehr als 20.000 Führungskräfte von Unternehmen aller Branchen und Größenklassen in Deutschland, Österreich und der Schweiz beinhaltet. Ziel der jährlichen Befragung, die Odgers Berndtson bereits zum 7. Mal durchgeführt hat, ist es, zu ermitteln, was Führungskräfte bewegt, was sie für ihren weiteren Berufsweg motiviert, wozu sie bereit sind und wozu nicht. Die Befragung, die zu den umfassendsten Führungskräfteerhebungen im deutschsprachigen Raum gehört, liefert so wichtige Erkenntnisse zur Einstellung und Motivationslage im deutschsprachigen Management. Am Manager-­Barometer 2017/2018 haben 1.896 Manager teilgenommen. Die Befragung wurde online und anonym durchgeführt.

PDF-Version der Studie zum Herunterzuladen

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