Navigation durch eine neue Geschäftswelt in Deutschland

26 Mrz 2020

Navigation durch eine neue Geschäftswelt in Deutschland

Wie wirkt sich die aktuelle Pandemie auf die Arbeitsweise des Executive Search-Geschäfts und seine Kunden aus, und was könnten die Folgen für die Zukunft sein?

In einer Zeit, in der das Robert-Koch-Institut (RKI) in Deutschland täglich von einer Zunahme der Coronavirus-Fälle spricht und Unternehmen auf "Arbeiten von zu Hause" umgestellt haben, beantwortet Kristin van der Sande, Partnerin in Odgers Berndtsons Global Technology und Digital Consumer Practice, einige wichtige Fragen zu den Auswirkungen auf das Geschäft und den Alltag in Deutschland.

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen des Coronavirus haben Sie beobachtet?

Jeder ist davon betroffen. So hart und beunruhigend diese Situation auch ist, alle unsere Kunden, Kandidaten und Kollegen befinden sich genau an der gleichen Stelle.

Keiner meiner Kunden reist mehr. In der vergangenen Woche hat sich jeder dazu entschlossen, von zu Hause zu arbeiten. Die Menschen, mit denen ich arbeite, verwandeln persönliche Gespräche in Telefon- und Videokonferenzen. Für die Besetzung von Positionen pitche ich nun virtuell.

Jeder beobachtet die Situationen von Tag zu Tag.

Als Personalberatungsunternehmen sind wir es gewohnt, virtuelle Interviews zu führen, insbesondere mit Kandidaten außerhalb Europas.

Dadurch sind wir in der Lage, uns gut an die neue Situation anzupassen, aber wir verstehen, dass nicht alle, mit denen wir zu tun haben, auf dem gleichen Stand sind, so dass ein gewisses Maß an Flexibilität immer wichtig ist.

Einen Search von Anfang bis Ende mit persönlichen Gesprächen zwischen Kunden und Kandidaten abzuschließen, ist gerade jetzt zur Herausforderung geworden. Absolut niemand wird eine Führungskraft der C-Ebene einstellen, ohne diese Person vorher gesehen zu haben. Aber ein Gespräch virtuell zu beginnen, scheint für Klienten bisher kein Thema zu sein. In der späteren Phase eines Prozesses, wenn ein Unternehmen beabsichtigt, eine Person einzustellen, wird das zu einem kritischen Punkt.

Wir haben auch von unseren Kollegen in China gelernt, die die Herausforderung, vor der wir jetzt stehen, durchlebt haben. Es ist für alle hart, aber die Menschen passen sich sehr schnell an neue Arbeitsweisen an.

Kunden neigen dazu, die Suche aus den Gründen fortzusetzen, aus denen sie sich überhaupt erst mit uns zusammengetan haben. Nämlich (ein) Problem(e) im Managementteam oder mit dem Unternehmen. Würden wir die Suche nicht weiterführen, nehmen diese Probleme mit der Zeit zu, und zwar bis wir in der Lage sind, die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, was jedoch weit in der Zukunft liegen kann. Die Kunden haben Angst, wertvolle Zeit zu verlieren, die sie sich nicht leisten können.

Würden Sie sagen, das Geschäft läuft wie gewohnt?

Ich denke, es wäre unangemessen, zu behaupten, dass alles so ist, wie es war, weil dem nicht so ist. Unsere deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel nannte es die größte Krise, in der wir uns seit dem Zweiten Weltkrieg befinden.

Wir sind aufgefordert worden, uns anzupassen, und wir werden uns noch mehr anpassen müssen. Von zu Hause zu arbeiten, ohne zu wissen, wie lange diese Situation andauern wird, bedeutet, dass die Menschen ihr Leben anders gestalten müssen. Sie werden ihre Arbeit und die Familie miteinander managen müssen. Dies ist eine echte Herausforderung für Eltern mit Kindern jeden Alters, was oft bedeutet, dass sie bis spät in die Nacht arbeiten müssen.

Letztendlich werden neben dem Einsatz moderner Technologie auch eine Prise Humor und viel gesunder Menschenverstand dazu beitragen, dieses Virus zu bekämpfen und seine rasche Ausbreitung zu verhindern, während unsere Arbeit weitergeht.

Was ich bei den Klienten sehe ist, dass sie versuchen ruhig zu bleiben und weiterzumachen, während sie die Situation genau bewerten und sehr ernst nehmen. So scheint die Geschäftswelt damit umzugehen.

Was wird in Zukunft anders sein?

Bis zur Corona-Krise verreisten die Menschen massiv. Ich denke, das wird sich ändern und die Menschen werden sorgfältiger prüfen, welche ihrer Reisen wirklich notwendig sind und welche nicht. Ich denke, wir werden in Zukunft weniger Reisen verzeichnen.

Ich denke auch, dass das großartige Gefühl des Miteinanders, welches wir heutzutage erleben, dass sich die Menschen gegenseitig unterstützen, uns noch eine Weile begleiten wird.

Möchten Sie noch etwas hinzufügen?

Ich pendle oft zwischen den Niederlanden und Deutschland.
Aus diesem Grund möchte ich den niederländischen Ministerpräsidenten Mark Rutte zitieren, der seine letzte Rede mit den Worten beendete: "Passt aufeinander auf!"