Mit Führungsmythen aufgeräumt

10 Jul 2019

Mit Führungsmythen aufgeräumt

Rückblick Jam Session, 4. Juli 2019 in der Klassikstadt Frankfurt am Main

„Der Mensch sollte seine Grenzen kennen“, beendete Dr. Robert Hogan, Gründer von Hogan Assessments, seinen Impulsvortrag. Mit diesem Zitat, das dem Filmklassiker „Dirty Harry“ entstammt, wies Hogan auf die Folgen überzogenen Egos hin.

Das war gleich zu Beginn ein eindrucksvoller Impulsvortrag für die „Jam Session“, die am 4. Juli 2019 in der Klassikstadt in Frankfurt am Main stattfand und von Odgers Berndtson sowie der RELEVANT Managementberatung organisiert wurde. Als Speaker neben Dr. Robert Hogan gaben Dr. Niklas Friedrich (Project Manager People & Organisation Strategy, Vodafone) und Marcus K. Reif (Personalleiter, Chief People Officer, HR-Experte, Speaker und Blogger) den Teilnehmern wichtige Impulse zum Thema „moderne Führung“.

Daniel Nerlich | Odgers Berndtson

Trends kommen, gehen und hinterlassen häufig Unsicherheiten. Das spüren auch Führungskräfte. Vor diesem Hintergrund war die Jam Session angetreten, authentische Führung und New Work besser greifbar zu machen und Sicherheit zu vermitteln. In der offenen Diskussion zwischen den Teilnehmern sollten neue Denkansätze angestoßen werden. Neue Ideen liefern sollten die interaktiven Breakout-Sessions in kleinerem Kreis unter anderem mit Firmenvertretern der Daimler Corporate Academy oder von Beiersdorf.

Say goodbye to the myth of charismatic leadership

In seinem Beitrag zeigte Dr. Robert Hogan anhand wissenschaftlicher Studienergebnisse und anekdotischer Beispiele veranschaulichend auf, dass charismatische Führungskräfte nicht notwendigerweise die beste Besetzung für den Chefsessel sind. Im Gegenteil, häufig haben Sie die Tendenz zu Narzissmus und bringen aufgrund dessen folgende Wesenszüge mit sich:

  • Sie beanspruchen Erfolge überproportional stark für sich und schreiben Misserfolge anderen zu
  • Beratungsresistenz und die Unfähigkeit, aus Erfahrungen zu lernen
  • Das Gefühl, „auserwählt“ und überlegen zu sein

Mit diesem Profil stellen charismatische, narzisstische Führungskräfte ein Risiko für ihre Organisation dar. Als konkrete Gegenbeispiele, also Führungskräfte, die sich durch einen „demütigen Führungsstil“ - basierend auf Fachkompetenz, Mitarbeiter- und Ergebnisorientierung - auszeichnen, nannte Hogan diese folgenden drei CEOs:

  1. Sergio Marchionne, Fiat-Chrysler
  2. Hubert Joly, Best Buy
  3. Alan Mullaly, Ford

Dr. Hogan verstand es, den Zuhörern mit Witz und Charme, aber zugleich auch mit scharfer Faktenorientierung seine bemerkenswerten Standpunkte nahe zu bringen. Wie sich Fehlbesetzungen auf Führungsebene vermeiden lassen, wurde im Anschluss im Plenum aktiv diskutiert.

 

Last but not least

Nach einem lebendigen Austausch während der Breakout-Sessions mit den eingeladenen Experten aktivierte Markus Reif die Teilnehmer in seinem Vortrag: „Talente kommen wegen der Reputation, sie bleiben wegen der Aufgabe und sie gehen wegen Führung“. Mit seinen Thesen, die zum Teil provokant und drastisch waren und zum Nachdenken anregten, fasste Reif die Diskussionen des Tages zusammen. Abschließend machte Reif nochmals deutlich, wie essenziell gute Führung und eine gesunde Führungskultur für die Zukunft eines jeden Unternehmens sind.

„Die Jam Session hat großen Spaß gemacht: Neben den starken Impulsen der Speaker war es besonders schön zu sehen, wie viele gute und intensive Gespräche während des Tages geführt wurden. Ich bin mir sicher, dass für jeden spannende Themen dabei waren - und es eine Fortsetzung dieses Formats geben sollte“, fasst es Daniel Nerlich, Managing Partner bei Odgers Berndtson Deutschland, zusammen.