Interview: Neue Studie „Digitale Innovationen, Geschäftsmodelle und Ökosysteme in der Fußballbundesliga“

20 Apr 2020

Interview: Neue Studie „Digitale Innovationen, Geschäftsmodelle und Ökosysteme in der Fußballbundesliga“

Andreas Heyden, Executive Vice President Digital Innovations, DFL Group, und Ewald Manz, Partner bei Odgers Berndtson, sprechen im Kurzinterview über die Themen der aktuellen Studie.

Ewald Manz: Herr Heyden, sehen Sie etwas Disruptives am Horizont, was die Fußballbranche total umwälzen kann?

Andreas Heyden: Zwei Entwicklungen verändern die Branche derzeit stark. Zum einen die zunehmende Individualisierung und Personalisierung von Content, also das gezielte Eingehen auf die Bedürfnisse des Fans bzw. Kunden über Medienangebote, und zum anderen die starke Automatisierung von Content-Produktionsprozessen durch AI, z.B. bei der automatisierten Erstellung von lokalisierten Highlightclips von internationalen Spielern nach Abpfiff.

„Die Studie gibt einen sehr guten Überblick über die digitalen Innovationen in der Fußball-Bundesliga. Selbst für erfahrene Manager im Fußball bietet sie neue Erkenntnisse.“

Ewald Manz: Wie entwickeln Sie digitale Innovationen bzw. Geschäftsmodelle bei der DFL?

Andreas Heyden: Wir bewegen uns in dem goldenen Dreieck aus AR, AI und 5G. Diese Technologien nutzen wir konsequent, um die nächste Generation bei Broadcasting, Content Production und Fan Experience zu entwickeln. Dabei gehen wir abgestuft vor: Wir testen eine Innovation zunächst in einem kleinen Testmarkt, zum Beispiel in nur einem Land oder in einem Kreis ausgewählter Abonnenten unserer App, und nehmen eine sorgfältige Validierung anhand von KPIs vor. Erst nach ausreichenden Tests rollen wir die Anwendung breiter aus und leiten daraus ein Geschäftsmodell ab.

„Im Rahmen der Technologien reflektiert die Studie die Potenziale von Augmented Reality (AR) sowie Artificial Intelligence (AI). 5G als Enabler wird jedoch noch nicht betrachtet. Hier freue ich mich auf die Einblicke einer nächsten Studie.“

Ewald Manz: Inwieweit arbeiten Sie bereits an einem digitalen Ökosystem für Ihre Fans und Kunden?

Andreas Heyden: Um das Fan Engagement zu steigern und weitere Erlöspotenziale zu erschließen, richten wir unsere Services gerade radikal auf cloudbasierte Lösungen aus. Cloudservices sind in der Digitalwirtschaft ja schon längst Realität, insofern gibt es hier eine Reihe von erfahrenen Unternehmen, mit denen wir zusammenarbeiten können. Als DFL sind wir eine Kooperation mit AWS eingegangen, bei der wir zusammen an der nächsten Generation des Kundenerlebnis und des Service für unsere Lizenznehmer, den TV Sendern und OTT-Angeboten, arbeiten.

„Bei ihrer Analyse stellen die Studienautoren nicht die digitalen Lösungen in den Mittelpunkt, sondern gehen stets von dem zu lösenden Problem aus – zum Beispiel von der Optimierung des Fan Values oder der Erschließung neuer Erlöspotenziale.“

Ewald Manz: Was sind aus Ihrer Sicht die organisatorischen Voraussetzungen, um einen funktionierenden Prozess zur Einführung von digitalen Innovationen und Geschäftsmodellen zu etablieren?

Andreas Heyden: Zwei Dinge sind dafür elementar: erstens die Customer Centricity, also ein firmenweites Verständnis für die Bedürfnisse des Fans bzw. Kunden, und zweitens die erforderliche digitale Kompetenz in der Fachabteilung, welche durch Insourcing von Know-how erreicht wird. Die Clubs sollten ihre eigene digitale Kompetenz im Hause aufbauen, um innovativ und wettbewerbsfähig zu sein. Digitale Kompetenz sollte nur da extern eingekauft werden, wo es sich um ein „commodity“ handelt, etwa wie Cloud Hosting, CDNs, Videoplayer etc.

Ewald Manz: Inwiefern beeinflussen die GAFA´s (Google, Amazon, Facebook, Apple) Ihr Geschäft?

Andreas Heyden: Als Bedrohung empfinden wir diese Tech-Giganten nicht. Im Gegenteil: Google & Co. sind für uns klare Enabler. Hier würde ich auch noch Netflix ergänzen. Wir nutzen diese Firmen, um das bestmögliche Produkt für den Fan zu bauen. Außerdem können wir von diesen Firmen bei der Produktgestaltung viel lernen, beispielsweise in Bezug auf die Einfachheit der Bedienung oder das Design.

Ewald Manz: Herr Heyden, ich danke Ihnen für das Gespräch!

Andreas Heyden
Ewald Manz

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