Die Hauptursache für den geringen Frauenanteil in Vorstandsgremien

10 Dez 2020

Die Hauptursache für den geringen Frauenanteil in Vorstandsgremien

In den 26 größten Ländern gibt es nicht genügend weibliche Führungskräfte mit operativer Managementerfahrung, um die Top-Etagen von führenden Unternehmen auf absehbare Zeit deutlich weiblicher zu machen.

Das ist ein Ergebnis der Studie „Gender Diversity Report“, die der Datenspezialist BoardEx zusammen mit Odgers Berndtson erstellt hat. Die Studie untersucht regelmäßig die Spitzengremien von relevanten Unternehmen unter dem Geschlechteraspekt. Für die aktuelle Studie haben die Autoren 14.850 Biographien von weiblichen Führungskräften weltweit analysiert.

„Frauen sind zwar in bestimmten Funktionen zahlreich vertreten, machen aber insgesamt nur enttäuschende 19 Prozent der Positionen im Führungsteam aus“, erläutert Katja Hanns-Terrill, Geschäftsführerin von Odgers Berndtson Deutschland.

Diese Erkenntnisse stehen in deutlichem Gegensatz zu den jahrelangen, gesellschaftlichen sowie politischen Appellen an die Unternehmen, ihren Frauenanteil zu erhöhen. Dabei sollte es im Interesse eines jeden Unternehmens liegen, ein möglichst heterogenes, oberstes Führungsgremium zu installieren, da die positiven Auswirkungen auf Betriebsklima, Mitarbeiterbindung, Image und nicht zuletzt auch auf die Unternehmenskennzahlen inzwischen vielfach belegt sind. In Deutschland ist derzeit ein Gesetz in Vorbereitung, welches vorschreiben soll, dass in den Vorständen börsennotierter und paritätisch mitbestimmter Unternehmen mit mehr als drei Mitgliedern künftig ein Mitglied eine Frau sein muss.

Die Diskrepanz zwischen dem Frauenanteil im oberen Management und dem der darunterliegenden Ebenen hängt laut des „Gender Diversity Report“ mit den Tätigkeitsprofilen zusammen. So sind durchschnittlich 60 Prozent der Personaljobs und 37 Prozent der Rechtsfunktionen in weiblicher Hand, im obersten Führungsgremium haben aber nur 6 Prozent eine berufliche Herkunft im Personalbereich und nur 8 Prozent eine berufliche Herkunft im Rechtsbereich. Dagegen haben Führungskräfte mit einer operativen Management- oder Finanzerfahrung eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit, ins Top-Gremium aufzusteigen. In Zahlen ausgedrückt: 44 Prozent der Vorstandsmitglieder in den untersuchten Unternehmen stammen aus operativen Funktionen, zum Beispiel aus dem Vertrieb, der Produktion oder der Logistik.

Zwischen den untersuchten Ländern gibt es große Unterschiede. Deutlich vorn liegen Australien und Norwegen: Dort beträgt der Frauenanteil an Vorständen 27 Prozent. In den USA und Großbritannien sind es 21 Prozent, in Deutschland 15 Prozent. Dieser Wert dürfte in den nächsten Jahren deutlich steigen, wenn das geplante Gesetz eingeführt und umgesetzt wird. Davon kann Japan nur träumen: Dort liegt der Frauenanteil in den Topetagen der Unternehmen bei 4 Prozent - letzter Platz im Ranking.

"Der Aufbau einer diversen Pipeline von Führungstalenten ist sowohl eine moralische Verpflichtung als auch gut für den Erfolg von Unternehmen ", ergänzt Silvia Eggenweiler, Partnerin bei Odgers Berndtson Deutschland. „Hier können Personalberatungen eine entscheidende Rolle spielen.“

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Global Leadership Team Gender Diversity Report

Our Global Leadership Team Diversity Report is a close-up view of leadership teams across the globe. The report is based on disclosed management groups along with BoardEx’s database of individual profiles to examine the degree of female representation at the most senior management levels of these corporations.

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