Illegale Absprachen, Schmiergelder oder Bilanztricks kommen in Unternehmen hierzulande leider häufiger vor, wie sich aus dem aktuellen Manager-Barometer von Odgers Berndtson ergibt. Fast jeder vierte Manager hat bereits Korruptionsoder Betrugsfälle im eigenen Unternehmen erlebt.

Von Kathrin Lochmüller

Im Rahmen der jährlichen Führungskräftebefragung von Odgers Berndtson in Deutschland, Österreich und der Schweiz wurde dieses Mal das ethische Verhalten von Managern untersucht. 23 Prozent der insgesamt 2.124 Manager, die an der Befragung teilgenommen haben, bestätigen, bereits Korruptions- und Betrugsfälle im eigenen Unternehmen erlebt zu haben. Auf den unteren Hierarchieebenen, wie Gruppen- oder Teamleitungen, sind es sogar bis zu 30 Prozent, die schon Compliance-Verstöße beobachtet haben. Auf der obersten Leitungsebene geben dies 21 Prozent an. „Dieses Ergebnis ist alarmierend“, kommentiert Peter Herrendorf, Deutschland-Geschäftsführer von Odgers Berndtson und Leiter des Manager-Barometers 2016/2017, „zumal die Dunkelziffer bei Betrugsfällen noch deutlich höher liegen dürfte.“

Auch in ihrem unmittelbaren Arbeitsumfeld sind Manager mit unethischem Verhalten konfrontiert: Jeder fünfte Manager berichtet, schon mindestens einmal von einem Vorgesetzten einen Auftrag erhalten zu haben, der gegen das Gesetz oder die hausinternen Compliance-Regeln verstieß. Gut 60 Prozent der Betroffenen lehnten einen solchen regelwidrigen Auftrag nach eigenen Angaben ab, während knapp 40 Prozent diesen auf Verantwortung des Vorgesetzten ausführten.

Compliance-Abteilungen sowie entsprechende Richtlinien haben die Unternehmen zwar als Gegenmaßnahmen entwickelt. Dennoch fehlt es diesen an Akzeptanz und Bekanntheit: Nur 20 Prozent der Manager messen dem Compliance Officer das notwendige Gewicht im Unternehmen und die erforderlichen Entscheidungsbefugnisse zu. Im Fall eines Verstoßes würde sich nur etwa ein Drittel an den Compliance-Beauftragten wenden.

Hauptgrund für das Fehlverhalten von Managern ist nach Aussagen der Führungskräfte ein hoher Erfolgsdruck im Unternehmen, gefolgt von menschlicher Gier und einem generellen Werteverfall. Auch wird von den Studienteilnehmern gerügt, dass die Sanktionen bei Korruption zu gering seien, um kriminelle Energien einzudämmen. „Es ist die zentrale Aufgabe des Top-Managements, die Dos und Don’ts des Corporate Behaviour im Unternehmen zu kommunizieren und konsequent vorzuleben“, appelliert Peter Herrendorf. „Die Vorbildfunktion der Unternehmensleitung ist dabei nicht hoch genug einzuschätzen.“

 

 

Peter Herrendorf
ist Managing Partner von Odgers Berndtson Deutschland. Er besetzt herausgehobene Führungspositionen im Gesundheitswesen, bei öffentlich-rechtlichen Auftraggebern sowie in Non-Profit- Organisationen.

Peter Herrendorf

Peter Herrendorf, based in Frankfurt, has been filling executive positions for Odgers Berndtson since 1998 in the Health Care and Public Sector & Non for Profit Practices, with a great depth of kno...

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