Aktuelle Studie zur Digitalisierung im Bankensektor:

Digitalisierung ist in deutschen Instituten noch nicht Chefsache

Nur 50 Prozent haben eine digitale Führungsfunktion beschlossen oder implementiert / Profile von Bankenvorständen ändern sich stark / Kompetenzen von außen erforderlich

Die Notwendigkeit zur digitalen Transformation ist auch in den Führungsetagen der deutschen Banken angekommen. Diese haben die Dringlichkeit, mit der sie digitales Fachwissen und die für den Umbau erforderlichen Managementkompetenzen aufbauen müssen, zwar erkannt. Es mangelt jedoch stark an der Konsequenz der Einführung und Umsetzung von Maßnahmen, wie eine aktuelle Umfrage der internationalen Personalberatung Odgers Berndtson unter 200 Vorständen und Geschäftsführern von deutschen Kreditinstituten zeigt.

Zur Umsetzung der digitalen Transformation haben die deutschen Institute bisher sehr unterschiedliche Wege eingeschlagen. "Während jedes fünfte Institut die Einrichtung einer digitalen Position noch immer für irrelevant hält, haben andere Unternehmen bereits digitale Beiräte, Scouts, Innovation Labs oder Corporate Ventures etabliert", erläutert Dagmar-­Elena Markworth, Partner bei Odgers Berndtson und Leiterin der Financial Services-Practice in Deutschland

Eine digitale Führungsfunktion haben jedoch gerade einmal 50 Prozent der Befragten beschlossen oder implementiert. Nur jeder siebte Befragte gibt an, dass in seinem Unternehmen ein Verantwortungsbereich auf der ersten oder zweiten Führungsebene geschaffen wurde. "Zahlreiche Banken haben Schwierigkeiten, die Verantwortung für ihre digitale Transformation klar und sinnvoll zuzuordnen", urteilt Markus Trost, Associate Partner bei Odgers Berndtson und Experte für Digitale Transformation, und ergänzt: "Für eine erfolgreiche Transformation bedarf es jedoch eines zentralen Bindeglieds zwischen `neuer´ und `alter´ Welt´ auf der obersten Führungsebene, zum Beispiel in Form eines Chief Digital Officers oder einer anderen zentralen Position, die u.a. die Transformationsverantwortung übernimmt."

Einig sind sich die befragten Vorstände und Geschäftsführer darin, dass für den digitalen Wandel ihrer Unternehmen neben der Identifikation interner Talente verstärkt auch die Rekrutierung externer Talente erforderlich ist, welche in anderen Branchen -­ wie zum Beispiel eCommerce, Handel, Tourismus oder Medien - Digitalisierungserfahrung gesammelt haben. "So lassen sich Kompetenzlücken zügig schließen und eigenes Know-how ausbauen", erklärt Trost.

Für eine erfolgreiche digitale Transformation als essenziell wichtig schätzen die Befragten vor allem die Fachgebiete Mobile Technologien, Cyber Security und Big bzw. Smart Data ein. Neben dem Aufbau des digitalen Fachwissens müssen die Institute jedoch auch die Managementkompetenzen ihrer Führungskräfte weiterentwickeln. Denn auch die Führungskultur in den Banken wird sich nachhaltig verändern. Dabei ist es entscheidend, die Mitarbeiter in den laufenden Digitalisierungsprozess zu integrieren und für die gemeinsame Sache zu begeistern. Vor diesem Hintergrund schätzen Befragten die Fähigkeit der Unternehmensführung, ein visionäres Bild für die digitale Transformation zu entwerfen und eine nachvollziehbare Strategie abzuleiten, als wichtige Kompetenz ein (74 Prozent). Für eine noch wichtigere Aufgabe des Top-­Managements halten die Befragten jedoch, eine lernende Organisation zu schaffen und den Change Management-Prozess aktiv voranzutreiben (78 Prozent).

"Der Bankvorstand von morgen ist ein visionärer, kommunikationsstarker und überzeugender Unternehmer mit Change Management-Erfahrung, der die Mitarbeiter in einer Kultur des ständigen Lernens auf die Bedürfnisse der Kunden einschwört," bestätigt Bankenexpertin Markworth.

Zur Methodik der Digitalisierungsstudie:

Odgers Berndtson hat über 200 Führungskräfte in deutschen Kreditinstituten zu den Auswirkungen der Digitalisierung auf ihr Geschäftsmodell und damit einhergehend auf ihre Unternehmenskultur und ihre Mitarbeiter befragt. Rund 70 Prozent der Antwortgeber waren Mitglied des Vorstands oder der Geschäftsführung. 82 Prozent der Teilnehmer kamen aus privatrechtlichen Instituten, 14 Prozent aus öffentlich-rechtlichen, 5 Prozent aus dem Genossenschaftssektor. Zur Vertiefung wurden mit ausgewählten Vorständen persönliche Interviews geführt.

 

Die Studie finden Sie in Kürze zum Download auf www.odgersberndtson.com

Sie können die PDF-­ Version der Studie auch anfordern unter presse@odgersberndtson.com.

 

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